Auszug aus: WAZ vom 23.03.2009 von THOMAS EMONS
Kinder und Karriere
Wie das funktionieren kann, zeigt das Mülheimer High-Tech-Familien-Unternehmen Turck, das dafür jetzt ausgezeichnet wurde.
„Wenn meine Kurze mal krank ist, muss ich nicht lange diskutieren, um mir kurzfristig für ihre Betreuung freizunehmen. Und wenn es zu Hause mit der Kinderbetreuung eng wird, ist es auch kein Problem, dass ich meine sechsjährige Tochter mit ins Büro nehme. Dann sitzt die Kleine hier am Katzentisch und malt mir ein Bild. Das ist hier wirklich ein entspanntes Arbeiten.”
Der 41-jährige Produkt-Spezialist Thorsten Evers ist einer von 250 Mülheimer Mitarbeitern der in Heißen ansässigen Turck GmbH und Co KG. Das Unternehmen, das weltweit 2600 Menschen Arbeit gibt, verdient sein Geld im Bereich der industriellen Automation. Weil das Familienunternehmen darauf angewiesen ist, qualifzierte Mitarbeiter möglichst langfristig an sich zu binden, setzt man bei Turck auf familienfreundliche Arbeitsbedingungen. Das zahlt sich aus, nicht nur, weil Turck jetzt vom 2004 von Stadt, Kirchen, Wirtschaft, Wohlfahrtsverbänden und Gewerkschaften ins Leben gerufenen Bündnis für Familien mit einem Ehrenpreis als „familienfreundliches Unternehmen” ausgezeichnet wurde.
Neben den flexiblen Arbeitszeitmodellen, die auf die familiären Bedürfnisse der Mitarbeiter abgestimmt werden, nennt Hans-Peter Windfeder vom Unternehmverband Mülheimer Wirtschaftsvereiningung zwei weitere Punkte, die ihn als Vorstandsmitglied des Bündnisses für Familien, davon überzeugt hätten, dass Turck das Prädikat „familienfreundliches Unternehmen” verdient habe. So dürfen Mitarbeiter-Kinder bei Bedarf in den Betriebskantine zu Mittag essen. „Außerdem zahlen wir allen Mitarbeitern, die ein Kind bekommen, eine Nachwuchsprämie, die sogar höher ist als die Prämie für Jubilare”, erzählt der geschäftsführende Gesellschafter des Unternehmens, Ulrich Turck.
Der Vater von drei Kindern glaubt, dass man den Mehrwert einer familienfreundlichen Unternehmenskultur zwar nicht quantitativ messen kann, „aber ihn doch auf der qualitativen Ebene spürt.”
Was das in der Praxis bedeutet, kann Turck zum Beispiel daran ablesen, dass rund 80 Prozent der Mitarbeiterinnen, die eine Babypause einlegen, anschließend in das Unternehmen zurückkehren. „Familienfreundlichkeit rechnet sich”, glaubt Bündnis-Kurator Windfeder und verweist dabei auf den demografischen Wandel, in dem es Turck vorausschauend gelinge, viele junge, weibliche und qualifizierte Fachkräfte an sich zu binden.[...]