aus der Süddeutschen Zeitung vom 25.04.2009
Mehdorns Trümmerhaufen
Deutsche BahnEin Kommentar von Michael Bauchmüller
Der neue Bahn-Chef Rüdiger Grube übernimmt ein Reich des Misstrauens. Nun muss er ein neues Klima schaffen.
In der Bahn herrscht nach dem Abgang von Bahn-Chef Hartmut Mehdorn ein Klima des Misstrauens.
Nächste Woche will Rüdiger Grube eine erste Runde durch das Unternehmen drehen. Er ist dann ganz offiziell der künftige Bahn-Chef. An diesem Samstag will der Aufsichtsrat seine Bestellung bestätigen, Anfang Mai tritt er an. Grube hat schon angekündigt, er wolle sich erst mal selbst ein Bild machen vom Unternehmen, das er führen soll. Wenn er genau hinschaut, wird er seinen Augen kaum trauen. Was er im Inneren der Bahn vorfindet, wird erschreckend sein.[...]
„Unternehmenskultur“ ist ein klangvolles Schlagwort aus dem Wörterbuch der Wirtschaft. Wie sehr ein Mangel an solcher Kultur ein Unternehmen beschädigen kann, lässt sich an der Bahn glänzend studieren. Der Ausgangspunkt war nicht einmal spektakulär. Offenbar war es einfach so, dass die Spitze des Konzerns keine Widerrede duldete. Wer fundamentale Leitlinien missachtete, insbesondere die Doktrin eines Groß-Börsengangs der Bahn samt Schienennetz, hatte in Führungspositionen nichts mehr zu suchen. Wer eine andere Meinung vertrat und diese mit anderen teilte, konnte sich der besonderen Aufmerksamkeit seiner Vorgesetzten gewiss sein; vielfach ersetzte Repression die Diskussion.[...]
Liebe Blog-Leser, was hier angedeutet wird, geht wohl weit darüber hinaus, was bisher über die Deutsche Bahn unter Mehdorn bekannt geworden ist.
Was meinen Sie: Kann der neue Bahnchef bei der Beseitigung der Mängel, insbesondere der Unternehmenskultur, überhaupt erfolgreich sein?
Schlagworte: Führungskompetenzen, Unternehmenskultur