Von der Leyen: Mitarbeiter wertschätzen

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aus:  Handelsblatt vom 24.02.2011

Ursula von der Leyen:  “Mitarbeiter als Mit-Denker und Mit-Entscheider betrachten”

Mit der Schirmherrin des Wettbewerbs “Deutschlands Beste Arbeitgeber”, Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen, sprach Redakteurin Katrin Terpitz über Fachkräftemangel und Mitarbeitermotivation.

Handelsblatt: Jeder fünfte Arbeitnehmer hat innerlich gekündigt. Ist das nicht ein Armutszeugnis in Zeiten des Fachkräftemangels? Ursula von der Leyen: Andere Studien sprechen eine andere Sprache. Ich mache die Erfahrung, dass die Stimmung in den Unternehmen sehr stark davon abhängt, wie sich das Management auf die sich ändernde Lage einstellt. Die Trendsetter haben längst erkannt, dass eine gute Unternehmenskultur die Zufriedenheit von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern steigert, aber dass es dabei mit Lippenbekenntnissen nicht getan ist.

Handelsblatt: Wodurch zeichnet sich in Ihren Augen eine vorbildliche Arbeitsplatzkultur aus?

Von der Leyen: Natürlich geht es um respektvollen Umgang miteinander. Wenn Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter spüren, dass sie nicht nur gefordert sondern auch gefördert werden, läuft es besser. Der Schlüssel sind Anerkennung, Wertschätzung und die Möglichkeit mitzugestalten. Investitionen in Technik nutzen wenig, wenn es am anderen Ende bei der Qualifizierung und der Gesundheit der Beschäftigten hapert. Mit jedem Menschen geht auch wertvolles Betriebswissen verloren. Diese Betriebe werden dann im Fachkräftemangel kalt erwischt.

Handelsblatt: Vielen ist heute die Familie wichtiger als das Gehalt. Tun da Arbeitgeber schon genug? Von der Leyen: Frauen und Männer wollen heute Familie und Beruf gut in Einklang bringen. Je mehr sie die Wahl haben, desto häufiger entscheiden sie sich für einen Arbeitgeber, der familienfreundliche Jobs anbietet. Aus meiner Sicht sind die Unternehmen am schnellsten überzeugt, wenn sie – am besten in Euro und Cent – sehen, dass ihnen das selbst etwas bringt. Junge Familien sind genau die Fachkräfte, um die künftig härter geworben wird. Vereinbarkeit von Beruf und Familie ist kein Selbstzweck. Wer darauf setzt, hat bald die Nase vorn.

Handelsblatt: Stichwort Rente mit 67. Spüren Sie, dass der Jugendwahn in der Arbeitswelt nachlässt?

Von der Leyen: Die Lage in den Betrieben heute sieht schon ganz anders aus als vor zehn Jahren. Das tatsächliche Rentenalter nimmt jedes Jahr zu. Der Blick auf die Älteren ändert sich gerade dramatisch. Heute spüren die Unternehmen, dass sie sie nicht mehr nach Belieben ausmustern können, wenn die ganze Belegschaft altert. Das lässt sich auch in Zahlen belegen, alleine seit 2005 haben über eine Million Menschen, die älter sind als 55, neue Arbeit gefunden. Egal, ob Sie die sozialversicherungspflichtige Arbeit oder die Erwerbstätigkeit betrachten, die Zahlen haben sich in den letzten zehn Jahren fast verdoppelt. Außerdem: Ältere haben soziale Kompetenzen, Betriebswissen und Lebenserfahrung, und sie machen, aufgrund ihrer Erfahrung weniger Fehler im Betrieb als jüngere Kollegen. Wer in seinem Unternehmen diese Kompetenzen mit denen der jungen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter verbindet, ist auf dem richtigen Weg.

Handelsblatt: Wie wichtig ist es, Mitarbeiter am Unternehmenserfolg zu beteiligen?

Von der Leyen: In vielen Unternehmen ist das heute bereits gelebte Praxis. Erfolgreich sind die, die ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auch als Mit-Denker und Mit-Entscheider betrachten. Warum nicht auch eine Beteiligung am wirtschaftlichen Erfolg? Denn in wirtschaftlichen Krisen leisten sie und ihre Familien ja auch ihren Beitrag.

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