aus: Handelsblatt vom 04.05. 12:09
Effizienz muss bei Betrieben ganz oben stehen
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Investieren um zu sparen – eine Botschaft, die längst nicht überall im Mittelstand angekommen ist. Einer Studie der Fraunhofer-Gesellschaft zufolge lassen sich mittelfristig in der industriellen Produktion bis zu 30 Prozent Energie einsparen. Die Kostenexplosion bei Energie und Rohstoffen werde für viele Unternehmen bereits zu einem Konjunkturrisiko, sagt Fraunhofer-Präsident Hans-Jörg Bullinger. “Künftig können sich nur Unternehmen auf dem Markt behaupten, die Materialien und Energie effizient nutzen.”Das Problem beginnt beim Einkauf: “95 Prozent der Firmen schauen bei Maschinen nur auf die Beschaffungskosten”, sagt Günther Zettl, Leiter Energieeffizienzberatung beim Anlagenbauer Bosch Rexroth. “Der Stromverbrauch hat in der Regel keinen Einfluss auf die Kaufentscheidung – dabei macht er ein Viertel der Gesamtkosten aus.” Der Grund: Die Betriebs- und Beschaffungsbudgets laufen über verschiedene Kostenstellen. “Der Einkäufer hat vor allem ein Interesse an einem geringen Kaufpreis, es gibt im Normalfall kein Bewusstsein für die Betriebskosten.”
Dennoch: Die Bereitschaft wächst, für effiziente Anlagen auch mehr Geld auszugeben. Bei der Hannover Messe Anfang April gab es kaum einen Aussteller, der nicht Energieeffizienz in den Vordergrund rückte. Doch die Ansprüche entsprechen nicht immer der Realität: “Viele Mittelständler erwarten, dass sich eine Investition innerhalb eines Jahres amortisiert. Bei anspruchsvoller Automatisierungstechnik ist das aber nicht immer möglich”, sagt Zettl. “Wir streben derzeit maximale Amortisationszeiten von drei Jahren an.”
Energieeffizienz bedeutet jedoch mehr als nur die Senkung des akuten Stromverbrauchs. Effiziente Komponenten haben weitere Vorteile: Die Ausfallrate sinkt, die Wartungskosten fallen und die Lebensdauer steigt. “Eine Maschine, die weniger Strom verbraucht, wird auch nicht so schnell heiß”, sagt Zettel. “Wärme belastet vor allem die Elektronik: Wenn die Temperatur nur um wenige Grad sinkt, erhöht sich die Lebensdauer immens.”[...]
Manchmal jedoch sorgen auch einfache Methoden für große Wirkung. Viel Energie gehe etwa durch das Fehlverhalten der Mitarbeiter verloren, sagt Hahn. “Manche lassen bei offenem Fenster die Klimaanlage laufen. Und statt mit dem Besen wird mit Druckluft gesäubert.” Sein Rat: in das innerbetriebliche Vorschlagswesen das Thema Energieeffizienz aufnehmen. “Sie werden sich wundern, wie viele interessante Vorschläge eingereicht werden. So erreicht man mit geringen Investitionen einen großen Effekt.”
Tags: Energieeffizienz, Nachhaltigkeit