Viele Unternehmen setzen bei der Einstellung immer noch auf möglichst junge männliche Mitarbeiter und werden mit dieser Einstellungspolitik bald größere Probleme bekommen.
aus: SPIEGEL Online Stand: 05. September 2008
PERSONALFÜHRUNG
„Ab 27 lassen unsere Fähigkeiten nach“Ältere, weibliche und kranke Mitarbeiter – um sie müssen Unternehmen buhlen, wenn sie dem Fachkräftemangel beikommen wollen, sagt Deutschlands jüngste BWL-Professorin Stock-Homburg. Dabei ist Alter relativ, denn schon ab Ende 20 gelte man als alt.
SPIEGEL ONLINE: Frau Stock-Homburg, wieso raten Sie Unternehmen, sich besonders um ältere und weibliche Mitarbeiter zu kümmern – setzen Sie sich für Randgruppen in deutschen Unternehmen ein?
Ruth Stock-Homburg: Randgruppe ist ein ganz falscher Begriff. Diese Menschen sind wichtige Ressourcen – nur haben leider noch nicht alle Firmen ihren Wert entdeckt. Wir stehen bereits jetzt einem starken Fach- und Führungskräftemangel gegenüber. In fünf bis zehn Jahren können wir Stellen nicht mehr besetzen, spätestens da brauchen wir qualifizierte und insbesondere auch motivierte ältere und weibliche Mitarbeiter.
BWL-Professorin Stock-Homburg: Fach- und Führungskräftemangel wird bald die Wachstumsbremse Nummer eins sein.
SPIEGEL ONLINE: Unternehmen klagen schon jetzt über Fachkräftemangel – haben aber massiv ältere Fachkräfte ins Aus gedrängt.
Stock-Homburg: Hier ist derzeit ein Prozess des Umdenkens in Unternehmen zu beobachten: Viele Unternehmen haben verstanden, dass sie enorme finanzielle Ressourcen und wertvolles Know-how verschenken. Man muss Mitarbeiter nicht mal in den Ruhestand schicken, sondern es reicht, dass sie sich überflüssig vorkommen, damit sie ihre Motivation verlieren. Darum muss sich die ganze Unternehmenskultur ändern.